Gute Schulden vs. schlechte Schulden

Gute Schulden vs. schlechte Schulden

Schulden sind in unserer heutigen Gesellschaft etwas absolut Normales. Viele Menschen nehmen einen Kredit auf, um ihr Auto, neue Technik, Urlaube, ihre Ausbildung, oder auch Immobilien zu kaufen. Man hört immer wieder, dass es gute Schulden und schlechte Schulden gibt. Was aber macht Schulden gut und was schlecht?

Um das zu bewerten, wird als erstes eine zentrale Eigenschaft von Schulden vorgestellt, die gute und schlechte Schulden gemeinsam haben. Danach werden zwei Kriterien besprochen, mit denen sich bewerten lässt, ob eine Schuld prinzipiell gut oder schlecht ist. Anschließend werden Konsumschulden, Ausbildungskredite und Immobilienkredite für die Eigen- und Fremdnutzung besprochen.

Die zentrale Eigenschaft von Schulden

Schulden entstehen dadurch, dass man Leistungen in Anspruch genommen hat, die man sich zu dem Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Leistung nicht leisten konnte. Man kauft jetzt etwas, was man sich aktuell nicht leisten kann und zahlt es mit der Zeit ab. Durch die Schulden entsteht also eine Zeit in der Zukunft, in welcher man weniger konsumieren kann, weil man diese Schuld abbezahlen muss.

Die wenigsten Menschen sind in der Lage eine Immobilie direkt zu bezahlen. Daher werden Schulden bei der Bank aufgenommen. Man erhält sehr viel Geld von der Bank auf einen Schlag, gibt dieses dann aus und zahlt es über viele Jahre an die Bank zurück.

Gute vs schlechte Schulden

Wie kann man bewerten, ob Schulden gut oder schlecht sind?

Um zu bewerten ob eine Schuld gut oder schlecht ist, lassen sich zwei Faktoren als Bewertungskriterien heranziehen: der Weg des Geldes und die Wert Entwicklung des gekauften Vermögenswertes.

1. Kriterium: Der Weg des Geldes – den Cashflow betrachten

Ein geeignetes Bewertungskriterium, ob eine Schuld ist schlecht oder gut ist, ist den Weg des Geldes zu betrachten. Fließt Geld durch die Schuld von mir Weg oder zu mir hin? Fällt durch den Kredit der eigene Cashflow höher oder niedriger aus? Wird der eigene Cashflow durch den Kredit erhöht oder zumindest nicht verringert, so ist das positiv zu bewerten. Fällt dieser negativ aus und nimmt dabei sogar einen großen Anteil des eigenen Cashflows in Anspruch, ist das eher schlecht.

2. Kriterium: Wertentwicklung des gekauften Gegenstands

Was wird mit dem Geld aus dem Kredit gekauft? Eine Immobilie, ein Auto oder die neuste Technik? Es ist hilfreich abzuschätzen wie sich der Wert des gekauften Gegenstandes in der Zukunft entwickeln wird. Steigt der Wert, so ist diese Verwendung des Kredites besser als für einen Gegenstand, der seinen Wert verliert oder gar keinen besitzt.

Zusammenspiel aus dem Weg des Geldes und der Wertentwicklung

Idealerweise führt die Verwendung eines Kredits bzw. der Schulden dazu, dass ein positiver Cashflow bei einem ankommt und die Wertentwicklung des Verwendungszwecks ebenfalls positiv ausfällt. Ist das nicht so, sollte man sich genau überlegen, ob man Schulden für diesen Zweck aufnehmen möchte. Wird nur eine der beiden Kategorien erfüllt, so ist ein zu erwartender positiver Cashflow besser zu bewerten als eine zukünftige Wertentwicklung.

Sind das jetzt gute oder schlechte Schulden?

Konsumschulden, Ausbildungskredite und Kredite für eine selbst- bzw. fremdgenutzte Immobilie sind wahrscheinlich die wesentlichen Kategorien von Schulden, die eingegangen werden. Sind diese nun gut oder eher schlecht?

Konsumschulden

Man kauft mit Geld, dass einem nicht gehört etwas ein, das meist direkt nach dem Kauf schon nicht mehr den Wert besitzt, den es vor dem Kauf hatte. Ein Autokredit ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Ein neues Auto verliert im ersten Jahr gut 25% seines Wertes. Was allerdings bleibt ist die Schuld, die noch abgezahlt werden muss und das ggf. noch über einen sehr langen Zeitraum. Konsumschulden sind somit schlechte Schulden, da der Wert des gekauften Gegenstands sinkt und der Kredit dazu führt, dass man erstmal weniger Geld pro Monat zur Verfügung hat.

Ausbildungskredite

Ein Ausbildungskredit wird dann zu einer guten Schuld, wenn man damit einen Job bekommt bzw. einer Tätigkeit nachgehen kann, die einem ein höheres Einkommen, also mehr Cash Flow einbringen. Idealerweise lässt sich der Kredit mit den zusätzlichen Einnahmen, die man der Ausbildung zu verdanken hat, schnell zurückzahlen. Dauert das Abbezahlen allerdings lange und ist die Einkommenssteigerung nicht besonders hoch, so ist der Kredit gegebenenfalls auch als schlecht zu bewerten.

Immobilienkredit (eigene Nutzung)

Der Kauf einer Immobilie auf Kredit für die eigene Nutzung ist ein viel diskutiertes Thema. Ob der Kredit für diesen Zweck gut ist, hängt von vielen weiteren Aspekten ab, die an dieser Stelle nicht betrachtet werden können, da sie im Einzelfall geprüft werden müssen.

Prinzipiell lässt sich aber davon ausgehen, dass der Wert der Immobilie steigt und der Kredit daher besser ist als ein Konsumkredit. Auf der anderen Seite führt dieser Kredit dazu, dass man über Jahrzehnte den Kredit abbezahlen muss und somit einen verringerten Cashflow für diese Zeit hat.

Immobilienkredit für Fremdnutzung / Investmentschulden

Eine fremdgenutzte Immobilie über Kredit zu finanzieren kann als das beste Beispiel für eine gute Schuld angesehen werden. Das trifft allerdings auch nur bei idealen Voraussetzungen zu.

Im Idealfall werden die Kosten und die Tilgungsrate des Kredites durch die Miete gedeckt. Noch besser ist es, wenn von der Miete etwas übrigbleibt. In diesem Fall entsteht durch die Schuld ein positiver Cashflow der zu einem hin fließt. Auch hier lässt sich prinzipiell davon ausgehen, dass der Wert der Immobilie mit der Zeit zunimmt. Selbst wenn das nicht der Fall wäre, ist diese Art der Verwendung von Schulden die beste Möglichkeit, die man hat.

Zusammenfassung: gute Schulden vs. schlechte Schulden

Um zu bewerten ob eine Schuld gut ist oder schlecht ist, hängt von der Wertentwicklung des Gegenstands ab, den man mit dem Geld aus dem Kredit kauft, sowie von der Richtung des Cashflows. Die Richtung des Cashflows ist dabei das bessere Bewertungskriterium, um herauszufinden, ob es sich um gute oder schlechte Schulden handelt.

Entwickelt sich der Wert des gekauften Gegenstandes mit der Zeit positiv, so ist das besser als eine negative Entwicklung. Entsteht durch die Schuld ein Cashflow zu mir hin, ist diese Schuld ebenfalls besser zu bewerten als eine bei der ein negativer Cashflow für mich entsteht.

Die Beste Art der Verwendung von Schulden ist für die Finanzierung einer fremdgenutzten Immobilie, wenn die Miete die Kosten und die Tilgung für den Kredit decken kann. Ausbildungskredite sind ebenfalls eine super Angelegenheit, wenn diese zu einem deutlichen Gehaltssprung führen. Ein Kredit für die selbstgenutzte Immobilie ist ein kontroverses Thema und hängt vom individuellen Fall ab. Konsumkredite sind die denkbar ungünstigsten Arten von Schulden. Man gibt Geld aus, welches man im Zweifel nicht hat und zahlt dieses Geld auch dann noch zurück, wenn die gekaufte Ware schon längst kaputt ist oder einem keine Freude mehr bereitet.

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